Donnerstag, 5. April 2012

Schmierzettel, Schmauchspuren und Speerwerfer


(teo) Am 29. Spieltag der Fußball-Bundesliga fehlt der Freitag im Spielplan. Weil er ein K im Namen trägt. Was für einen handelsüblichen Freitag schon ungewöhnlich genug ist. Und weil er Schnee- und Graupelschauer bringen soll, statt Ostergras und Eierfarben. So kann es gehen im April, der nicht nur meteorologisch seinen ganz eigenen Kopf hat, sondern mitunter auch recht launig die entscheidenden Weichen für die Spätzeit der Spielzeit zu stellen gedenkt. 


In München sind die Roten ganz bei der Sache. Real Madrid in den Köpfen? Die Königlichen! José Mourinho! Halbfinale! Der Weg nach München! Pustekuchen. Da sei Jupp Heynckes vor. Fronck Ribery hatte vom Dolmetscher eigens den Namen des nächsten, schweren Gegners auf den karierten Schmierzettel gepinnt bekommen: 'Augsbourgh'. Ach, diese Bayern! Von Spiel zu Spiel denken. Die Pflicht im Visier, das Triple nur ganz weit hinten im hintersten Hinterkopf. Demut kommt vor dem Fall. Nun also, am Samstag zur Bundesligaanstoßzeit um 15Uhr30, der schwere Prall gegen den Nachbarn aus Schwaben. Bayern (definitiv) gegen Bayern (quasi). Bruderkampf! Schwieriges Unterfangen. Außer für den Busfahrer des FCA, der den Weg nach München einfach ins Navi eingegeben hat. Ohne beschwerlichen Umweg über Madrid. So sehen Sieger aus. FCB - FCA 1:1


Bei Volkswagen reiben sie sich in der Vorstandsetage die kalten Hände. Geht doch. Voll auf Kurs. Ohne Navi. Trainermanagervizevorstand Felix Magath hat es mit teuflischer Akribie geschafft, Speerwerfer und Filigranknipser ins Team der glorreichen 50 zu reintegrieren. Die Werkself des Autobauers auf direktem Kurs nach Europa. Kommt man nicht drauf. Ist aber so. Zehn Tore fehlen noch. Helmes, übernehmen Sie! Kann ja auch mal ein bisschen was für die EM-Wildcard tun. Im Heimspiel gegen den deutschen Meister (nur der BVB!) weiß man ja um die Abwehrschwäche der Dortmunder (vier Gegentore gegen Stuttgart), hat aber auch aufmerksam die Sturmstärke registriert (vier Tore gegen den VfB). Was das zu bedeuten hat? Tja. VW - BVB 2:4


Der 1.FC Köln ist gestärkt aus den Wirren des 1. April hervorgegangen. Lutscherprotest von Fans. Einzelvotum der Spieler zum Trainer, der sich für den knappen Mehrheitsentscheid mit der Suspendierung von vier Kickern bedankte. Wie die wohl gestimmt hatten? Ach, in Köln haben sie ja keine Wahl. Es musste halt einfach mal wieder ein Zeichen gesetzt werden. Welches ist egal. War ja auch lange keiner mehr rausgeflogen. Und jetzt das: Es geht gegen den Erstbundesligisten Werder Bremen. Ex-Meister, Ex-Pokalsieger, Ex-Europapokalsieger. Himmel! Aber Werder tief in der Ergebniskrise. Doofes Wort. Ist halt eine ganz normale, richtige Krise. Werder spielte zuletzt oft mit Menschen, deren Namen selbst an der Weser noch nie ein Mensch gehört hatte. Und die großen Namen wollen sich schnell außer Hörweite bringen: Pizarro geht, Wiese geht. Fehlen nur noch Marin und Ekici und Arnautovic. Dann kann Thomas Schaaf mit der Reserve weitermachen. Die gerade aus der 3. Liga absemmelt. Hölle, Hölle, Hölle. Werder will aber noch in die Europa League. Und hat zwar nicht das Format, aber erstaunlicherweise die notwendigen Punkte dafür. Also: auf nach Europa, SV Werder Bremen. Aber wozu? Und mit wem? Eben. Mit einem Sieg könnte Köln übrigens theoretisch auf Platz 12 hüpfen. So ist das mit der Theorie. FC - Werder 1:2


Der andere Karnevalsverein ist auf besserem Weg. Platz 11. Trotzdem nur fünf Punkte bis zum Relegationsplatz, wo die Waffenbrüder aus Köln logieren. Mainz reist nach Stuttgart, wo der VfB seinen Diverse-Tore-Vorsprung auf einen sicheren Europa-League-Platz gegen Leverkusen, Bremen und Wolfsburg verteidigen will. Aber gegen Mainz kann das ja so oder so ausgehen. Oder andersrum. VfB - FSV 2:3


Freiburg gegen Nürnberg, das ist so ein klassisches Abstiegsgipfeltreffen. Wenn beide zufälig mal nicht in Europacupnähe residieren. Was beide derzeit nicht tun. Also klassisches Abstiegsgipfeltreffen. Punktgleich und nur durch zwei Törchen getrennt liegen Clubberer und Schwarzwälder einen Dreier vor dem Relegationsrang. Freiburg hat einen Lauf. Und einen Streich. Nürnberg hat auch einen Lauf - viermal in Folge verloren - und keinen Streich. Unfair. SCF - FCN 2:1


Stefan Kuntz war früher Polizeiobermeister in Bochum. Und hat doch erst Jahrzehnte später seine letzte Patrone verschossen. Auf Krassimir Balakov. Der nun mit Schmauchspuren an der Schläfe recht gestärkt in die 2. Liga gehen wird. Eine Region weint. Mal wieder. Wie 1996. Und 2006. Eigentlich hätten die weinroten Teufel ja noch vier Jahre Zeit gehabt. Aber Gesetzmäßigkeiten werden im Fußball ohnehin überbewertet. Gegen Hoffenheim könnte man allerdings auch mal wieder gewinnen. Oder verlieren. Wer weiß schon, wie die SAP-Betriebssportgemeinschaft diesmal drauf ist? Hallo, Herr Babbel? Nein, der weiß es auch nicht. FCK - 1899 0:1


Die Jungs aus Unterföhring hatten Langeweile. Kein Flutlichtspiel am Freitag. Was tun? Einfach mal das Samstagabendspiel mit Verlierern besetzen. Gladbach gegen Hertha, das verspricht am Samstagabend zur Handball-Anwurfzeit um 18Uhr30, prickelnde Hochspannung. Können die Fohlen noch hüpfen, laufen, springen? Und kann Otto Rehhagel (73) das auch noch? Hertha spielt nicht schlecht. Und verliert unverlierbare Spiele. Hatten wir das nicht schon mal? Stimmt. Vor zwei Jahren. Damals stieg Hertha ab. Nachdem sie schon die ersten sechs Saisonspiele vergeigt hatten - und dann mit neuem Trainer noch einige mehr. Auf der Bank saß damals der Trainer, der jetzt längst auf der anderen Bank Platz genommen hat. Er war in der Saison zuvor mit Hertha Vierter geworden. Lucien Favre betont jetzt, wo er mit Gladbach Vierter geworden ist, dass man bloß nicht vergessen solle, woher man komme. Und meint eigentlich Gladbach und den Abstiegskampf der letzten Saison. Und nicht Hertha, wo er nach erfolgreicher Arbeit bei der erstbesten Gelegenheit entlassen wurde. Und Lucien Favre sagt, man solle nur von Spiel zu Spiel denken. Was momentan bedeutet: von Niederlage zu Niederlage. Bei den erschöpften Fohlen melden sich in der erfolgreichsten Saison der letzten 35 Jahre nun schon nach und nach die besten Spieler vom Spielbetrieb ab. Schade nur, dass der Spielbetrieb noch läuft. Borussia - Hertha 0:2


Was vergessen? Ach so: Die beiden Eurofighter-Teams. Schalke gegen Hannover. Das hatte man ja eigentlich erst im Mai spielen wollen. Um diese riesige Tulpenvase. Nun also zu vorgezogener Stunde. Am Sonntag, zur Halma-Beginnzeit um 15Uhr30 will Hannover in der Turnhalle, die nach einem bekömmlichen Sauerländer Pils benannt ist, weiter punkten. Um im nächsten Jahr weiter europäisch zu kicken. Schalke will das auch. Aber wer Bier predigt und Champagner trinkt, der muss halt auch mit Macht in die große Gelddruckliga streben. Will man. Soll man. Muss man. Aber kann man das auch? Die knappen Knappen haben Glück, dass sich andere Mannschaften bereits vom Spielbetrieb abgemeldet haben. S04 - H96 2:2


Sonst noch? Ach, klar. Fast den Dino vergessen. Nur, weil letztens noch einer sagte: "HSV? Den kannste zurzeit vergessen!". Doch soweit kommt das noch! Die Liga ohne Dino? Kurz vor der Jubel-Saison! 50 Jahre Bundesliga - und dann kein Dino zur Hand? Unvorstellbar. Im Heimspiel gegen den TSV Bayer 04 Lewwerkusen will der klopp-ähnlichen Trainer mit dem vogel-ähnlichen Namen jedenfalls weiter marschieren. Hat ja seit seinem Amtsantritt vor etwa 93 Wochen schon zwei Plätze gut machen können. Als er kam, war der HSV 17., mittlerweile ist der HSV 15. - mit satten zwei Punkten Vorsprung vor Köln. Läuft. Weiter so. In Lewwerkusen schläft ein baumlanger Finne schlecht. Seit er weiß, dass er eine verkorkste Saison entkorken soll. Nun gut, trinkfest sind sie ja, diese Skandinavier. Sami Hyypiä ist in Livverpool noch heute eine Legende. Willensstark, einsatzfreudig, kampfbetont. Hm. Vielleicht sollte er lieber spielen, als still und stumm auf der Trainerbank Platz zu nehmen? HSV - Bayer 1:1

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